Unbenannt

Das Leben ist ein Ponyhof.

07:00. Leise plätschernde Harfenmusik reißt mich aus der letzten Tiefschlafphase. Ich “touche” die Schlummertaste (denn “drücken” kann ich das beim Smartphone nicht mehr nennen) und bin wieder eingeschlafen ehe ich überhaupt richtig wach war.
 
07:10. Da ist sie schon wieder, die Harfe, die mich unbedingt wecken will… Nee ey, auf keinen Fall, vergiss es. Schlummertaste.
 

Ab jetzt geht das alle zehn Minuten so:

 
07:20.Maaaaann. Nicht schon wieder. Schnauze. Und: Schlummertaste.

07:30.ICH. WILL. SCHLUMMERN.

07:40. Ich sollte wirklich mal das Intervall größer einstellen.

07:50.Komm, wenn du jetzt aufstehst, kannst du noch in Ruhe duschen und frühstücken.

08:00. Vielleicht sogar noch etwas lesen.

08:10. Und zur Abwechslung mal nicht zur Bahn rennen.

08:20. Wie ist eigentlich das Wetter? Oh. Regnet. Nein, danke. Ich bin raus.

08:30. Warum soll ich heute eigentlich überhaupt aufstehen?

08:40.  Mir fällt kein Grund ein.

08:50. Nein wirklich. Es gibt nichts, worauf ich mich freue.

09:00. Kann ich ja auch gleich liegen bleiben.

 

Aber dann stehe ich doch noch auf.

Nicht weil ich möchte, sondern weil ich muss.

 
So sehen meine Morgen aus. Tag ein, Tag aus. Ich quäle mich unter der Decke hervor und habe nur noch selten Lust auf das, was außerhalb meines Bettkastens passiert.
 
Das war nicht immer so, aber mittlerweile echt zu häufig.
 
Früher, als ich noch Kind war, bedeutete jeder Tag ein großes Abenteuer. Ich ging gern zur Schule, freute mich darauf, Neues zu lernen und meine Freunde zu treffen.
 
Klar, manchmal gab’s ne Mathe-Klausur und an solchen Tagen hab ich schon mal das Fieber-Thermometer an die Heizung gehalten (ohne Erfolg, leider.)
 
Aber grundsätzlich hat mir das Leben immer riesigen Spaß gemacht. Ich konnte es kaum erwarten. Ich konnte nicht genug kriegen. Seitdem ich erwachsen bin, wird das weniger.
 
Und ich frage mich warum.

 

“Tja, das Leben ist kein Ponyhof,” sagen mir die Leute dann.

 

Oder:

“Das ist nun mal so.”

“Das ist ganz normal.”

“So ist das eben, wenn man erwachsen ist.”

“Willkommen im Leben.”

 
Es sind Sätze wie diese, die mich dann so richtig wütend machen. Weil ich es nicht einsehe.
 
Wer sagt, dass Leben so zu sein hat? Wer hat sich das ausgedacht? Wer hat das entschieden? Und kann ich bitte mit dieser Person sprechen?

 

Ich erhebe nämlich Einspruch.

 
Mein Leben soll verdammt nochmal ein Ponyhof sein. Mir ist klar, dass auch schwere Zeiten dazugehören. Es wird nicht immer einfach.
 
Nicht jeder Tag kann ein Barfuß-Tanz unter dem Regenbogen sein. Aber dann doch wenigstens jeder zweite.
 
Sobald ich also an zu vielen Tagen hintereinander keinen Grund finde, morgens aufzustehen, weiß ich, dass etwas nicht stimmt; dass es Zeit wird, etwas zu ändern.
 
Und das ist genau der Punkt: Ich selbst habe es in der Hand, das zu ändern.

 

Und darum mache ich das jetzt.

 
Darum gehe ich raus, muss ich raus, über meine eigenen Grenzen hinweg. Um das Kind in mir wieder Abenteuer erleben zu lassen und um mich jeden Morgen aufs Neue zu freuen, dass ich mitspielen darf; dass ich in die Mannschaft gewählt wurde; dass ich dabei bin.
 

“Das Leben ist entweder ein aufregendes Abenteuer – oder gar nichts.” - Helen Keller

 
Und nach allem was ich weiß, haben wir nur das eine.
 
Und darum müssen wir schaukeln und rutschen und lachen und lieben und eine Aufgabe finden, die uns erfüllt; müssen wir singen und tanzen, auch wenn wir es nicht gut können; müssen wir auf Bäume klettern und Sandburgen bauen und jeden Morgen einen Grund haben, der uns aus dem Bett springen lässt noch bevor der Wecker überhaupt klingelt.
 
Und wenn nicht an jedem Morgen, dann doch wenigstens an jedem zweiten. Da möchte ich wieder hin. Und das schaffe ich auch, egal ob mich alle anderen für verrückt halten.
 

Das Leben ist ein Ponyhof.

Ich will daran glauben. Für dich und für mich.

 

PS: Ja, ich weiß: Das da auf dem Bild ist ein Esel. Aber Ponys waren grad aus.
 

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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

Hierlang für noch mehr Abenteuer!schliessen
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