feuer

Feuer.

Irgendwas fehlt. Und ich weiß jetzt, was es ist. Seit 2008 reise ich nun und schreibe darüber – manchmal öffentlich, öfter nicht. Und es geht bergauf – langsam noch – aber definitiv mehr rauf als runter.

Ich bekomme Nachrichten von fremden Menschen und Anfragen für Kooperationen, soll Linktausch machen, finde Linktausch aber doof und dann war da noch ein Interview mit SPON. Der Zug, auf dem ich sitze, hat sich in Bewegung gesetzt, ohne dass ich genau weiß, wo die Reise hingeht.

 

Was fehlt, ist eine Richtung. Was fehlt, ist ein Warum.

 

Warum reise ich? Warum ich damit angefangen habe, weiß ich ganz genau: Ich war rastlos. Ich wusste nicht, in welche Richtung ich das Boot lenken sollte, darum bin ich einfach mal in alle gesegelt.

Die Rastlosigkeit war mein Warum. Sie war mein Grund zu reisen.

 

Aber ich bin nicht mehr rastlos.

 

Während meiner Südafrika-Reise habe ich das festgestellt. Ich bin heute ganz ruhig.

Ich schaue mir fremde Orte an und suche in ihnen nicht mehr mein zu Hause. Denn heute weiß ich, dass ich es mit mir trage wie die Schnecke.

Unterwegs habe ich herausgefunden, was mir Freude macht, was ich gut kann (und was nicht), was mir wichtig ist (und was nicht.) Ich will nicht mehr ausbrechen, will nicht mehr weiterziehen ins Ungewisse, bin kein „Lonesome Traveller“ wie Kerouac, mag Kerouac nicht einmal.

 

Das ist die gute Nachricht.

 

Was mache ich nun daraus? Ich will weiterhin reisen und Geschichten erzählen. Aber warum? Und worüber? Und weshalb sollte das nun noch jemanden interessieren?

Sicher, ich könnte einfach so weitermachen, einfach das Reisen zum schlaffen Thema nehmen, von Fernweh und fremden Orten erzählen und irgendwann meine 10-things-to-do-in-(FILL IN CITY NAME HERE)–Artikel mit Wörtern wie „atemberaubend“ und „paradiesisch“ füllen.

Aber davon braucht es nun wirklich nicht noch mehr. Dann ließe ich es lieber bleiben.

 

Also was kommt jetzt?

 

Zurzeit scheinen Reiseblogs wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Irgendwie auch cool. Aber ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich komme mit dem ganzen Lesen und Liken kaum noch hinterher.

Die, die wachsen wollen, sollten deshalb ihre Nische wohl gut definiert haben. Ihr Alleinstellungsmerkmal. Ihr Thema. Ihr Warum.

 

Mein Warum war die Suche.

 

Die Suche nach einem Platz in der Welt. Die Rastlosigkeit. Der Wunsch, irgendwo anzukommen. Und dieses Gefühl in Worte zu fassen.

 

Ich bin nicht mehr rastlos.

Ich brauche ein neues Warum.

 

Was das ist, das weiß ich jetzt. Aber ich habe noch ein bisschen Bammel davor, es beim Namen zu nennen. Ich schiebe bestimmte Dinge noch vor mir her, lese bestimmte Bücher noch nicht, lasse bestimmte Gedanken einfach noch nicht zu.

Weil ich weiß, es wird kein Zurück mehr geben sobald ich die Tür einmal öffne.

 

Das nennt sich im Volksmund wohl Angst vor der eigenen Courage.

 

Aber nicht mehr lange. Nur noch eine Weile. Es braucht nicht mehr viel und dann bin ich endlich so weit. Und dann gehe ich endlich los. Und dann kann mich endlich nichts mehr halten.

Doch bis dahin bin ich noch eine kleine Weile wie der Dirigent ohne Melodie,
 wie der Arzt ohne Patienten,
 wie der Tischler ohne Holz,
wie der Surfer ohne Wellen, 
wie der Fischer ohne Fische,
 wie der Tänzer ohne Musik.
Bin ich wie die Kerze, die endlich weiß, was sie braucht, um zu brennen.
 

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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Hach!

    …viel Glück und viel Spaß!

  2. Julia sagt:

    … und schon wieder finde ich deinen Text ganz wunderbar.
    Deine Beobachtungen und Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen, ich suche allerdings noch meine Antwort auf das Warum. Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht.
    Julia

    • Gesa Neitzel sagt:

      Vielen Dank, liebe Julia. Dein Warum wird dich finden, da bin ich mir sicher. Du darfst nur nicht aufhören zu suchen.

  3. Matthias sagt:

    Interessant Gesa,

    da bin ich ja mal gespannt. Was wird wohl deine Absicht sein? Oder schreckst du doch vor deiner Angst zurück.

    • Gesa Neitzel sagt:

      Nein, nein. Zurückschrecken gibt’s nicht, Matthias. Das wird gemacht! Ist nur noch eine Frage des Zeitpunkt… Was es wird, erfährst du dann hier :-)

  4. Lena sagt:

    Das kommt direkt aus dem Herzen, so sanft und klar, dein Text. Ich bin sehr gespannt auf alles weitere, liebe Gesa. Meinen Lieblingssatz schenk ich dir: Vertraue dem Leben… dann wird sich alles finden. Ich drück Dich. Lena.

    • Gesa Neitzel sagt:

      Ach, Lena! Vielen Dank für deine Worte, du Liebe… Ja, ich vertraue im Moment ganz doll, dass sich bald alles fügt. Und ich drück dich fest zurück.

  5. Christian sagt:

    Hallo Gesa,

    ein wirklich schöner Artikel – gefällt mir sehr gut und ich bin gespannt auf Deine “Auflösung”…

    Was Du über die Rastlosigkeit schreibst, kann ich gut nachvollziehen – aber auch ich habe meinen “Mittelpunkt” seit langem gefunden und trotzdem zieht es mich bzw. uns ständig hinaus in die weite Welt…hinaus in die Natur – auf “wahrhafte” Wanderwege weit ab von der Zivilisation oder unter Wasser, zum Tauchen ins Meer.

    Auch wenn ich mit FEEL [4] NATURE selber einen ziemlich frischen Reiseblog betreibe – sehe ich das grundsätzlich ganz ähnlich wie Du. Viele Reiseblogs gleichen sich so sehr von Ihren Erlebnissen, dass man denken könnte sie reisen alle mit dem gleichen “Lonely Planet” durch die Welt und schenken der Welt jenseits des Reiseführers keinerlei Beachtung…

    Daher hoffe ich sehr, dass ich mit meinem Blog in ferner Zukunft – wenn er reich mit Artikeln gefüllt ist – mal ein anderes Bild von der Welt zeichnen kann.

    Wünsche Dir in jedem Fall weiterhin viel Spass mit Deinem Blog und auf Deinen Reisen. :)

    LG, Christian

    • Gesa Neitzel sagt:

      Hi Christian,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Die “Auflösung” kommt, sobald ich selbst einige Schritte weiter mit meiner Planung gekommen bin. Versprochen :-)

      Ich möchte kurz richtig stellen, dass es nicht meine Absicht ist, Kritik an anderen Reiseblogs zu üben oder den meinen gar über andere zu stellen. Ich finde, jedem, der es wagt mit seinem Traum vom Reisen an die Öffentlichkeit zu gehen, gebührt Respekt. In jedem Blog steckt viel Schweiß und Herzblut – was es umso bedauernswerter macht, dass die Nachfrage nach persönlichen Erlebnisberichten irgendwann wohl einfach erschöpft sein wird.

      Für deinen Blog wünsche ich dir von Herzen alles Gute und, was noch viel wichtiger ist: viel Abenteuer auf deinen Reisen!

  6. Verena sagt:

    Du wirst langsam aber sicher zu meiner Lieblings-Bloggerin :) 10-Dinge-in-Sachen sind sicher praktisch, um eine Reise zu planen (ebenfalls keine Abwertung – wenn es im Sommer nach SEA werde ich dankbar darum sein), aber ich liebe deine Sachen, weil sie tiefer gehen und einfach inspirieren. Danke dafür!

    • Gesa Neitzel sagt:

      Wow, Verena, ich sage ganz laut DANKE! Bin immer wieder überrascht, dass es tatsächliche Leute da draußen gibt, die sich die Zeit nehmen, zu lesen was mir so durch den Kopf geht – und die damit dann tatsächlich auch noch was anfangen können. Es freut mich riesig, dass du zu mir gefunden hast. Und ich will versuchen, dich auch in Zukunft nicht zu enttäuschen. :-)

  7. Ella sagt:

    Gesa, vielen lieben Dank. Ganz ehrlich, du bist eigentlich der einzige Blog, den ich mit Begeisterung lese. Du bist eine der wirklich wenigen, die lieber über über Emotionen und Eindrücke schreibt als “Tschakka Verkauf dein Hab und Gut” und “kündige deinen Job” zu propagieren. Deine Worte sind oft Balsam für die Reise-Seele :). Danke!

    • Gesa sagt:

      Hallo Ella. Wow, vielen Dank für deine lieben Worte! Dass du das sagst, ist wiederum Balsam für MEINE Seele ;-)

      Wenn dir gefällt was du hier liest, dann schau doch auch mal bei Hannah auf http://www.furtherbound.com vorbei. Habe ich vor einer Weile entdeckt. Hannah schreibt auf Englisch und trifft mit ihren Beschreibungen genau in mein Reise-Herz.

      Viel Spaß dabei und nochmals danke! Ich will mein Bestes geben, dich auch weiterhin mit meinen Texten zu begeistern.

      Schönen Abend :-)
      Gesa

      • Ella sagt:

        Hallo Gesa,

        ich freue mich soo sehr über deine Antwort. Vielen lieben Dank für den Link, der Blog von Hannah ist ja wirklich zauberhaft, ich habe ihn sofort in meinen Bookmarks gespeichert. Genau das ist der Stil, den ich wirklich gerne mag. Es ist eine besondere Art zu Schreiben und somit auf diese Weise den Leser an seiner Welt “teilhaben zu lassen”.

        Ich werd mich im Dezember auch in mein nächstes Abenteuer stürzen und bis dahin bin ich mir sehr sicher, dass deine wundervollen Texte die Zeit bis dahin verkürzen werden. “Die Reise einpacken” war das erste was ich aus nach meiner Rückkehr aus Belize eher ausversehen gelesen habe und Mensch, ich habe mich wieder erkannt. Seitdem freue ich mich jedes Mal, wenn du mich an deiner Sicht auf die Reisewelt teilhaben lässt.

        Ich wünsche dir alles Liebe und einen schönen Abend! :)
        Ella

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