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Ich war grad in der Versenkung. Schönen Gruß von deiner Arbeit. 

Neulich erhielt ich eine Email, deren Absender ein paar Fragen zu Workaway hatte. Zum Abschluss der Email schrieb er: „Schade übrigens, dass du nur so selten Artikel veröffentlichst.”

Und ich wäre ja nicht ich, wenn ich mir diesen Satz nicht zu Herzen nehmen und erstmal eine große Runde drüber grübeln würde.

 

Warum veröffentliche ich nur so selten Artikel?

 

1. Ich habe den Druck nicht. Ich generiere keine direkten Einnahmen durch diesen Blog. Er dient mir als Portfolio, um auf meine Arbeit hinzuweisen. Da ich also nicht veröffentlichen muss, mache ich es auch nur, wenn mir etwas wirklich gefällt.

2. Ich veröffentliche nur, was durch die Qualitätskontrolle kommt. Auf meinem Schreibtisch liegen unzählige Artikel, aber nur was ich wirklich für gut halte, gelangt an die Öffentlichkeit.

Das war nicht immer so. Früher habe ich jeden Wortfetzen, den ich für bemerkenswert hielt, sofort online gestellt. Und dort ist er dann auch mindestens genauso schnell untergegangen. Qualität war mir egal. Ich war so überwältigt von der Möglichkeit, meinen Kram mit der Welt teilen zu können, dass mir völlig entging, dass die Welt gar nicht zuhörte.

 

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Ich war grad in der Versenkung. Schönen Gruß von deiner Arbeit.

 

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Noch nie enthielt dieser Satz mehr Wahrheit, als in Zeiten des Internets. Jeder kann heutzutage sein eigener Herausgeber sein. Längst ist das Recht, Inhalte mit einem Publikum zu teilen nicht mehr nur den großen Medien vorbehalten. Wer will, der kann. Und das ist erstmal natürlich großartig.

 

Aber wozu führt das?

Wenn jeder kann, der will?

 

Die Antwort: Zu einem großen Rauschen.

Etwas – irgendetwas! – herauszugeben ist jetzt so schnell, so billig und so einfach möglich, dass das Zeug, was da draußen herumschwirrt oftmals auch genau das ist: Schnell, billig und einfach.

Und genau so kommt es auch beim Publikum an: Schnell, billig und einfach.

Und genau das macht den Großteil des Rauschens da draußen bedeutungslos. Austauschbar. Unsichtbar.

 

Das Internet ermöglicht es mir, in fremde Welten einzutauchen, mich zu bilden und mich mit Menschen zu verbinden, die die gleichen Werte und Vorstellungen teilen wie ich.

Alles gute Sachen. Wenn man es erst einmal geschafft hat, das große Rauschen auszublenden.

Was ich mir darum von jedem Herausgeber (auch mir selbst) wünsche, ist das Streben nach mehr Qualität.

 

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Einmal die Woche einen Blogpost rauszuhauen, ist einfach. Und einfach ist bedeutungslos. Allzu häufig wird auch nur einer rausgehauen, weil „man das ja mindestens einmal die Woche machen muss.“ Traffic und so.

Die Konsequenz: In diesem Internet schwirrt verdammt viel Inhalt, den eigentlich niemand braucht. Ich selbst bilde da keine Ausnahme. Auch ich habe zu diesem großen Rauschen beigetragen.

 

Auch von mir stammt jede Menge Mist. 

 

Und das ist okay. Denke ich. Nur wer bereit ist, schlecht zu schreiben, wird vielleicht irgendwann mal besser werden. Auch Shakespeare hat in seinen Anfängen ganz großen Mist verzapft. Der ist nur ungesehen in irgendeiner Schublade vergammelt.

 

„Wenn du beachtet werden willst, dann musst du etwas schaffen, das beachtenswert ist.“ - Chris Guillebeau

 

Und beachtenswert ist vor allem eines: Qualität.

 

Darum ist es auch so wichtig, dass die Rechtschreibung in jedem Artikel stimmt. Darum ist es so wichtig, dass das Blogdesign stimmt. Darum ist es so wichtig, dass jeder einzelne Artikel zumindest den Versuch darstellen sollte, etwas einzigartiges zu schaffen.

Leser bemerken den Unterschied. Und sie werden dafür dankbar sein. 

Bemerkenswert ist auch, dass interessierte Leser auch dann wiederkehren werden, wenn noch nicht alles perfekt ist. In meinen Blog-Anfängen hatte ich ein furchtbares Design, Marke Eigenbau. Nichts stimmte, ständig verrutschte der Text, ließen sich Bilder nicht richtig darstellen, führte ein Klick auf einen Link ins Nirvana.

 

Ich hatte keine Ahnung von diesem Internet.

 

Eigentlich hätte mein Blog nach einem halben Jahr aufgrund von groben Designfehlern ein Ende finden müssen. Aber meine Leser waren offenbar bereit, über die Designfehler hinweg zu lesen. Mein Inhalt hat mich gerettet. 

Das hier ist ist ein Manifest für guten Inhalt. Für Qualität. Für Schweiß und harte Arbeit, Hingabe und die Liebe zum Detail, für viele, viele Fehler und den Mut, trotzdem weiterzumachen, auch wenn mal was in die Hose geht. 

Das alles ergibt Qualität.

 

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Mich beeindrucken Menschen, die einfach ihrer Arbeit nachgehen. Was sie tun, ist für sie nichts besonderes. Sie geben nicht damit an, sie halten das, was sie tun nicht für bemerkenswert.

Im Gegenteil: Wer sich seiner Arbeit wirklich verschrieben hat, wird sie nie für fertig befinden. Wer sich seiner Arbeit verschrieben hat, wird immer danach streben, besser zu werden. Wer sich seiner Arbeit verschrieben hat, hat gar keine Zeit, sich auf vorübergehenden Erfolgen auszuruhen.

Es gibt kein Ziel zu erreichen. Das Ziel ist die tägliche Arbeit. Und anstatt in ihrem eigenen Erfolg zu baden, ist es für diese Menschen eine viel größere Freude, sich über die Erfolge anderer zu freuen.

Und wenn es eine Sache gibt, die ich anstreben möchte, dann ist es diese Demut gegenüber Arbeit.

 

„Jonathan war schon komisch. Obwohl er alles viel besser konnte als ich, fand er selbst, es sei nichts Besonderes. Er prahlte nie, sondern tat alles wie nebenbei. Manchmal glaube ich fast, er wünschte, mir gelänge es besser als ihm. Einmal traf auch ich ins Schwarze, und da freute er sich so, als hätte ich ihm ein Geschenk gemacht.“  

- Krümel Löwenherz

 

 

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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Mad sagt:

    Hallo Gesa,

    ich lese schon länger heimlich bei dir mit und wünsche mir auch, dass öfter was kommt, aber ich glaube gerade das macht es zu einem sehr “exklusiven” Erlebnis Neues von dir zu lesen. Und es ist mir immer eine Freude vorbei zu schauen!

    Mach genauso weiter mit Bedouin Writer wie bisher, denn unter meinen Lieblingsblogs bist du ungeschlagen auf Platz 1 :-)

    Cheers,
    Mad

  2. Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Gesa. Die Artikel brauchen manchmal einfach auch eine Zeit zum Reifen und ich halte es auch für besser, lieber auf Qualität zu setzen. Diese Eintagsfliegen, das “Rauschen”, wie Du es so schön nennst, all diese Informationsflut hat sicher auch die Auswirkung, dass wir das Gefühl haben, die Zeit geht immer schneller. Ich bin eher an der Zeitlosigkeit interessiert. Mach weiter so!

  3. Janina sagt:

    Oft bin ich tatsächlich mit dem Informationsfluss auf einigen Blogs überfordert, da klickt man nach ein paar Tagen wieder drauf und glaubt, es seien Jahre gewesen. Mensch, denke ich mir da, was hab’ ich denn jetzt schon wieder verpasst?
    Da finde ich es seltsamerweise bei dir manchmal erfrischend angenehm, auf deinen Blog zu kommen und es ist alles beim alten, oder es ist ein schöner neuer Artikel dazu gekommen, den ich mir in Ruhe durchlesen kann.
    Das ist irgendwie so, als könnte ich mehr daran teilhaben, intensiver.
    Danke jedenfalls dafür, dass du einfach dein eigenes Ding machst, die Leser werden es dir danken. Oder tun es eben schon ;)

    • Gesa Neitzel sagt:

      Danke Janina, das ist wirklich interessant für mich zu wissen. Ich habe sehr viele stille Leser, die sich nur selten zu Wort äußern. Tatsächlich eure Eindrücke zu hören, bedeutet mir daher sehr viel. Immer her damit :-)

  4. Ildiko sagt:

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestossen, was ich total schön finde, ist diese Kombination aus “im Internet schreiben” und “Storytelling” fast in der Art von poetischem Schreiben.

    Ich persönlich habe derzeit keinen Blog (habe mehrere
    “aufgemacht” und dann wieder frustriert verworfen…), einfach weil ich diesen Druck nicht haben wollte.

    Umso schöner zu sehen, dass es offensichtlich auch so geht.

    Ich komme definitiv gern wieder vorbei, wenn es “mal wieder” etwas neues gibt und bis dahin habe ich viele schöne alte Artikel, die ich noch lesen kann. :D

  5. Rena sagt:

    Genau das mag ich so an deinem Blog – da wird nicht einfach was hingerotzt, da wird auch der Sprache Beachtung zuteil, und vor allem schreibst du ganz offensichtlich nicht, weil eben spätestens alle 3 Tage was im Blog stehen muss, sondern weil du wirklich was mitzuteilen hast.
    Bleib dabei – gerade das macht dich so einzigartig!

  6. […] Winner is: Gesa von Bedouin Writer. Keinen eigentlichen Reiseblogpost verfassend, macht die Autorin hier mal die Metabox auf. Frei nach einem nicht sehr bekannten Brecht-Zitat aus der Peripherie seiner […]

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