seelenfutter

Seelenfutter.

Neulich habe ich einmal ausgerechnet, wie viel Zeit ich täglich im Internet verbringe. Das Ergebnis hat mich schockiert. Von ungefähr  achtzehn Stunden, die ich nicht mit Schlafen verbringe, kam ich auf zwölf.

 

Zwölf Stunden täglich vor irgendeinem Bildschirm.

 
Privater Laptop, Smartphone, Firmen-Rechner. Von den weiteren vier Stunden verbringe ich zwei in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause. Und die restlichen zwei Stunden gehen grob gesagt für Duschen, Essen und Trinken drauf.

Während ich wach bin, konsumiere ich also permanent irgendwas. Neuigkeiten, Mahlzeiten, Informationen, Bilder, Eindrücke. Ich konsumiere rund um die Uhr. Und von allem viel zu viel. Nur gibt es niemanden, der “Stop” sagt; der mich wissen lässt, wann ich genug habe.

Ich nehme so viel in mich auf, dass ich längst nicht mehr alles verdauen kann. Wer bei all dem Konsum aber viel zu kurz kommt, ist meine Seele. Denn die braucht etwas ganz anderes.

 

Was die Seele braucht, ist Stille. Natur. Zeit.

 

Um all die Dinge zu verarbeiten, einzuordnen, umzusetzen, die sonst ohne Unterbrechung auf sie niederprasseln.

Nirgendwo sonst fällt mir meine eigene Überfütterung so sehr auf wie in meiner Wahlheimat Berlin. Hunger kenne ich hier nicht. Es gibt von allem genug. Es gibt von allem zu viel. Und zwar so viel, dass ich es oft genug gar nicht mehr zu schätzen weiß. Ich fühle mich pappsatt – und gleichzeitig leer.

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Das einzige, was da noch hilft, ist Stadtflucht. Raus aufs Land, ab in die Natur oder wenn gar nichts anderes geht, dann zumindest für ein paar Stunden in den Park.

Für mich ist das Schönste an Berlin das viele Land, das die Stadt umgibt; am Liebsten habe ich den Spreewald – Hobbingen, wie ich es nenne. Um die Seele zu füttern, gibt es nichts Besseres, als sich für ein paar Stunden ein Kanu zu mieten und durch die Kanäle zu schippern, dem Schwappen des Wassers an die Bootswand zu lauschen und unter Bäumen hindurch zu schippern.

 

Seelenfutter gibt’s überall.

 

Und es zu knabbern, kostet meist nicht viel – oder es ist gar vollkommen umsonst.

Es wird uns oft zu leicht gemacht, tagein, tagaus im selben Trott zu verharren, dass wir manchmal vergessen, mit wie wenig Mehraufwand wir unser Leben schöner, gesünder und erfüllter gestalten könnten.

Und meistens beginnt das mit dem ersten Schritt vor die Tür.
 
…Na, was ist? Kommst du mit raus zum Spielen?
 
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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Don Fraggle sagt:

    Kanufahren im Spreewald ist immer eine Reise wert. Jetzt um die Jahreszeit dürften die Mücken auch schon verschwunden sein, oder? Im Sommer pieken die immer durch die Funktionskleidung, das ist lästig!

    • Gesa Neitzel sagt:

      Beste Zeit dafür ist in der Tat der Herbst: die lästigen Mücken sind weg, die meisten Besucher auch – und die Farben zu dieser Jahreszeit am Schönsten!

  2. Wie immer ein Lesegenuss. Ich frage mich gerade, wo man hier in der Gegend das beste Seelenfutter findet, wenn die Klirrkälte wieder Einmarsch hält :-)

  3. Reni sagt:

    Herrlicher Bericht. Und wie wahr. Ist ein Augenöffner. Sitze auch viel am PC und kann mich oft kaum losreissen. Es gibt immer so unglaublich gute Blogeinträge von anderen zu lesen, Reiseinfos und Inspiration virtuell, dass man manchmal schon fast vergisst, einfach mal rauszugehen und die nahe Umgebung zu erkunden.
    Animiert nun gerade, sofort die Handschuhe und Kappe zu packen und rauszugehen. Ja, das mach ich jetzt. Vielen Dank für’s teilen deiner Gedanken.

... Ich möchte auch was dazu sagen:

Hierlang für noch mehr Abenteuer!schliessen
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