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Vagabonds! – Leseprobe.

“VAGABONDS!” - so lautet der Arbeitstitel des Buches, an dem ich schreibe. Es erzählt die Geschichte von zwei Fremden, die sich aus Versehen im Chaos von Bangkoks Straßen treffen:

Hailey Simmons aus Springfield, Missouri und Oskar Matthes aus Berlin sind so unterschiedlich wie ihre Herkunft. Dass ausgerechnet sie sich zusammentun, um auf eine Rundreise quer durch Thailand zu gehen, macht überhaupt keinen Sinn. 

Doch was als Haileys größtes Abenteuer und Oskars größter Albtraum beginnt, entwickelt sich unterwegs zu einer unverhofften Reise in die Vergangenheit und einer eigenartigen Freundschaft, die irgendwie einfach passieren musste…

…Der Rest allerdings ist Chaos. 
 
Es folgen jetzt ganz exklusiv die ersten Kapitel ihrer Reise auf  den nächsten sechs Seiten… TATATATA!

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….

Eins.

„Entschuldigung, aber da scheint etwas faul zu sein mit meinem Zimmer.“

„Wieso das?“

Hailey versteht nicht, warum die Leute so von der Herzlichkeit der Thais schwärmen. Seitdem sie Thailand betreten hat, waren diese merkwürdigen Chinesen nichts als unfreundlich zu ihr. Es fing an mit dem Typen am Flughafen, der sie nicht durch die Kontrolle lassen wollte, weil sie nicht so aussah wie ihr Passfoto (Hailey trägt neuerdings Kontaktlinsen und braune Strähnchen). Weiter ging es mit dem Taxifahrer, der ihre amerikanischen Dollar nicht annahm. Und jetzt steht da dieses kleine, unfreundliche Mädchen mit Hello Kitty Haarreifen an der Rezeption und will nicht mit ihr reden.

„Also, nun ja…,“ sagt Hailey und setzt ihr perlweißes Lächeln auf. „In dem Zimmer sind noch fünf andere Betten. Und in den Betten liegen Menschen.“

„Du hast ja auch einen Schlafsaal gebucht,“ sagt Hello Kitty, immer noch unfreundlich. Aber wenigstens ist ihr Englisch verständlich.

„Ja, einen Schlafsaal. Damit ich genug Platz habe. Großer Koffer, siehst du?“ Hailey deutet auf ihren pinken Samsonite-Rollkoffer, den sie vorsichtshalber wieder mit runter geschleppt hat, damit ihn niemand klaut.

Daddy wäre so stolz auf sie.

„Das hier ist ein Hostel. Hier gibt es keine Einzelzimmer, nur Schlafsäle.“

„Ah, okay. Verstehe. Dann würde ich gern einen Schlafsaal buchen.“

„Aber du hast ja einen Schlafsaal gebucht.“

„Nein, ich meine einen ganzen Schlafsaal. Nur für mich.“

„Ich glaube nicht, dass das geht,“ sagt Hello Kitty und klickt sich gelangweilt durch ihren Computer. Hailey würde ihr gern sagen, dass Hello Kitty so was von Neunziger ist, aber sie verdrückt sich den Kommentar und klimpert stattdessen heftig mit den Wimpern.

„Tut mir Leid,  aber alle Schlafsäle sind ausgebucht.“

„Oh. Und was machen wir jetzt?“ fragt Hailey, immer noch ein Lächeln auf den Lippen.

„Das weiß ich auch nicht.“

„Aber…. ich brauche ein Zimmer.“

„Du hast ja ein Zimmer,“ sagt Hello Kitty. Ihre Unfreundlichkeit lässt sich spätestens jetzt nicht mehr mit Müdigkeit verwechseln.

„Ja, aber wie ich bereits erwähnte: Da schläft schon jemand drin.“

„Das hier ist ein Hostel. Hier gibt es keine Einzelzimmer,“ wiederholt Hello Kitty und Hailey sieht ein, dass es hoffnungslos ist.

„In Ordnung, vielen Dank für deine… Hilfe. Dann werde ich mir ein anderes Hotel suchen, wenn’s Recht ist. Ein Hotel, wo der Gast noch König ist!“

„Das Geld können wir dir aber nicht zurückgeben.“

„Geschenkt,“ sagt Hailey hochmütig.

Sie ist hundemüde und will nicht streiten. Auf dem Flug hat sie kein Auge zugemacht. Im Board-TV gab es die komplette Twilight-Saga und Hailey Simmons wäre nicht Hailey Simmons, wenn sie einem 12-Stunden-Edward-Cullen-Marathon widerstanden hätte. Als der letzte Teil in die Kinos kam, war Hailey den ganzen Weg von Springfield, Missouri bis nach L.A. mit dem Auto gefahren und hatte zwei Nächte vor dem Nokia Theatre gecampt, um Robert Pattinson live zu erleben. Daddy hat damals natürlich heftig protestiert. Genauso wie er gegen diese Reise protestiert hat. Aber Hailey kann sehr bestimmend sein, wenn sie etwas unbedingt will und so sehr sich Daddy auch sorgt, kann er doch nie nein sagen zu seiner Kleinen.

Apropos Daddy! Höchste Zeit, dass sie ihn anruft, um ihm zu sagen, dass sie sicher angekommen ist! Aber vielleicht noch nicht jetzt. Sie wird sich erst ein anderes Hotel suchen, bevor sie sich bei ihm meldet. Sonst macht er sich nur unnötig Sorgen. Hailey rollt ihren pinken Samsonite hinaus auf die Straße und wird erschlagen von der Hitze, die ihr entgegen schlägt. Bis jetzt ist sie nur von Klimaanlage zu Klimaanlage gehüpft – Flughafen, Taxi, Hostel – und hat das geschäftige Bangkok nur durch Glas gesehen.

Jetzt steht sie mitten in den Straßen der Stadt. Von links kommt ein Tuk-Tuk; von rechts ein Bus, zehn Roller und fünf Taxis; von vorne eine Menschenmasse und von unten ein paar Kakerlaken. Da steht Hailey Simmons, mit Strähnchen im Haar und ihrem pinken Samsonite und ihr fällt fast die Schminke vom Gesicht.

„Toto, ich glaube, wir sind nicht mehr in Springfield.“

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  1. Rieke sagt:

    Was soll ich sagen? Ich mochte die Beiden von Anfang an und find die Story wirklich toll geschrieben :-)

  2. Joe Bargain sagt:

    Ich bin schon so gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Bitte weiterschreiben!

  3. Skraal sagt:

    Hallo Gesa,

    Hailey nervt, sie ist furchtbar, was will die in Thailand, so kann man doch nicht „richtig reisen“, was für ein verwöhntes, arrogantes Gör. Mir ihr hast Du eine Figur geschaffen, die bei mir Emotionen weckt und mit einer gewissen Schadenfreude will ich wissen, was ihr noch so alles schlimmes zustößt.

    Bei Oskar will ich zunächst wissen, warum er jetzt in Bangkok ist, warum er kein Geld mehr hat und was er die letzten 20 Jahre hier gemacht hat.
    Und natürlich will ich lesen, wie sich die zwei zusammenraufen.
    Die ersten Kapitel lesen sich flüssig, man ist als Leser schnell in der Geschichte und will wissen wie’s weitergeht.

    Langer Reder kurzer Sinn: mir gefällt’s, mach weiter!

  4. gesaberlin sagt:

    Hallo Skraal,

    Vielen Dank für dein Feedback! Genau diese Reaktionen/ Gefühle hatte ich gehofft, zu erzeugen. Ich sage nur so viel: Bleib gespannt, im Verlauf der Geschichte wird sich so einiges ändern – vielleicht sogar die Gefühle des Lesers gegenüber der (mehr als) nervigen Hailey..

    Danke, nochmals! Ich schreibe fleißig weiter :-)

  5. Stefan sagt:

    sehr guter anfang gesa! bin wirklich gespannt wie sich die story weiter aufbaut und entwickeln wird!
    halt mich auf dem laufenden!!!

    liebe grüße!

  6. bedouinwriter sagt:

    Vielen Dank dir, Stefan! Ich sitze dran! (Jetzt endlich wieder…)

  7. Hannes sagt:

    Moin Gesa,
    Am Anfang fand ich, dass Du Hailey ein wenig zu schnell charakterisieren willst, wie mit einem Vorschlaghammer. “Merkwürdige Chinesen”, “Robert Pattinson”, “Daddy”?! – Alles klar!

    Die Geschichte nimmt aber sehr schnell Fahrt auf und macht grossen Spass, besonders weil man merkt, wie Du eigene Reiseerfahrungen einwebst.

    Von Oskar weiss ich noch nicht genug, will jetzt aber unbedingt wissen, was die beiden zusammen noch erleben werden… Und ich bin sicher, dass wir auch Hailey noch viel differenzierter kennen lernen werden. Freu mich drauf.

    Hoffentlich bis bald mal wieder.
    Viele Grüße.
    Hannes

    • TravelBruce sagt:

      Hi Gesa

      ich finde diese “schnelle Charakterisierung” super. Du transportierst viel mehr als nur Haileys Charakter, nämlich den Kulturschock, einen Teil Geschichte und in gewisser Weise das, wovor sich ein jeder erfahrener Reisende hütet, zu denken, da er weiß, dass der erste Schein nur durch die subjektive Wahrnehmung entsteht, fern jeder Realität liegt und nur auf die eigene Unerfahrenheit und das “Neu-Sein” zurückzuführen ist. Du lässt den Leser den ersten und wichtigsten Fehler des Reisenden erleben, nämlich unaufgeschlossen in diese neue Erfahrung zu gehen – was in deiner Geschichte (und der Realität, sofern die Person nicht sofort aufgibt) vermutlich zu einem interessanten Lernprozess und einer Wandlung der Person führen wird.
      Schreib bitte so weiter, das ist flüssig und man taucht sehr schnell in deine Geschichte ein!
      PS.: Sieht man im Hintergrund den Pier von Ko Tao?

      Cheerio,
      Andi

    • TravelBruce sagt:

      Hi Gesa

      ich finde diese “schnelle Charakterisierung” super. Du transportierst viel mehr als nur Haileys Charakter, nämlich den Kulturschock, einen Teil Geschichte und in gewisser Weise das, wovor sich ein jeder erfahrener Reisende hütet, zu denken, da er weiß, dass der erste Schein nur durch die subjektive Wahrnehmung entsteht, fern jeder Realität liegt und nur auf die eigene Unerfahrenheit und das “Neu-Sein” zurückzuführen ist. Du lässt den Leser den ersten und wichtigsten Fehler des Reisenden erleben, nämlich unaufgeschlossen in diese neue Erfahrung zu gehen – was in deiner Geschichte (und der Realität, sofern die Person nicht sofort aufgibt) vermutlich zu einem interessanten Lernprozess und einer Wandlung der Person führen wird.

      Schreib bitte so weiter, das ist flüssig und man taucht sehr schnell in deine Geschichte ein!

      PS.: Sieht man im Hintergrund den Pier von Ko Tao?

      Cheerio,
      Andi

  8. Elina sagt:

    Hey Gesa

    Schade gibt es nur 6 Seiten. Ich könnte das ganze Buch auf einmal lesen!
    Ist wirklich gut geschrieben, man ist von Anfang an in der Geschichte und obwohl ich noch nie in Bangkok war, sehe ich es direkt vor mir :)

    keep writing!!!

    Cheers
    Elina

  9. Mathieu Contopidis sagt:

    Hatte viel Spaß beim lesen und möchte auch wissen wie es weiter geht.
    Vielleicht willst du noch ein paar falsche Fährten legen, damit die Geschichte nicht zu durchschaubar wird !?
    Laters Mathieu

  10. bedouinwriter sagt:

    Ihr Lieben, vielen Dank für euer Feedback!!!

    Ungefähr die Hälfte des Buches ist mittlerweile fertig gestellt, und ja: die Geschichte wird noch um einiges verworrener. Vielen Dank auch für deinen Einwand, Mathieu! In der Hinsicht kann ich dich beruhigen: da passiert noch einiges ;-)

  11. Heiko sagt:

    Sawadee krap Gesa,

    Eine schöne Geschichte und ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht.

    Deine beiden Protagonisten beschreiben Personen die ich zuhauf auf meinen Reisen kennen lernen durfte. Die, die ihre alte Umgebung nicht abstreifen können, und die, die sich nicht mehr daran erinnern wie es einmal war.

    Well done Gesa!

    PS: Den ersten Kontakt mit Thailand in Bangkok zu erfahren ist aber auch ne harte Nummer ;-)

  12. Torsten sagt:

    Wann und wo ist denn Dein Buch zu kaufen?

  13. bedouinwriter sagt:

    Hallo Torsten,

    Ich hoffe, dass ich es bis Sommer nächsten Jahres fertigstellen werde. Es wird voraussichtlich als E-Book im Eigenverlag erscheinen und dann auch bei Amazon käuflich zu erwerben sein.
    Aber wer weiß, was bis dahin passiert… Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

  14. tzme sagt:

    Hallo Gesa,

    wirklich super! Kompliment! Man taucht sehr schnell ein, kann richtig miterleben, wie deine zwei Protagonisten sich fühlen. Viel Spaß beim weiterschreiben. Gibt es noch weitere Leseproben? :D
    Ich freue mich auch sehr für Dich, wie viele nette Kommentare in den letzten Tagen dazugekommen sind.

    Liebe Grüße & alles Gute

  15. bangkok sagt:

    Während ich diese Zeilen lese liege ich mitten in Bangkok in einem Bett das ich mir mit jemanden teilen muss ;) freiwillig!
    Nun zu deinem Text. Ich habe den Text gespannt zu Ende gelesen. Die Story involviert einen sofort, ist spannend und zwingt quasi dazu mehr von den beiden extremen Charakteren zu erfahren. Du übertreibst allerdings manchmal merklich und solltest teilweise Synonyme verwenden, speziell für oft genannte Worte und Phrasen (Daddy). Auch würde ich darauf achten nicht zu klischeehaft aufzutreten. Ich gebe dir 4 von 5 Punkten.

  16. Caroline sagt:

    Ich mag Reisebücher, in denen der Autor nicht nur selbst Protagonist ist, auch wenn vielleicht in dir oder in jedem von uns beim Reisen ein ganz bisschen Hailey oder Oskar steckt. Wenn du andere von dem Land erzählen lässt, das du selbst gesehen hast, ist das bestimmt schwieriger, gibt für ein Buch aber die bessere Story her.

  17. Timo sagt:

    Du hast einfach eine großartige “Schreibe” – freue mich riesig darauf, das ganze Werk zu lesen!

    • bedouinwriter sagt:

      Heee, danke Timo! es ist noch ein weiter Weg, aber irgendwann wird vielleicht mal ein ganzes Buch draus :-)

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