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Was macht uns lebendig?

Die Frage beschäftigt mich. Unterschwellig irgendwie immer. Jeden Morgen sitze ich in der S-Bahn und beobachte die Gesichter, die aus dem Fenster schauen. Und ich frage mich, was sie antreibt. Was dieses Leben für sie ist? Warum sie weiter machen, jeden Tag aufs Neue?

Es hat lange gedauert, um diese Frage für mich selbst zu beantworten.

 

Was macht mich lebendig?

Was macht mich begierig?

Wofür brennt mein wildes Herz?

 

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Was ich brauche, um mich lebendig zu fühlen, ist eine Umgebung, die mich stimuliert, um kreativ zu sein. Meine Umgebung ist noch nicht perfekt, aber sie wird immer besser. Es ist mein Ziel, jeden Tag etwas zu schaffen. Ich könnte tausend Dinge nennen, die mir dabei helfen; die mein Leben bereichern. Bücher, Schreibwaren, Spaziergänge, Klaviermusik, eine weiße Wand für meine Gedanken

Aber was alles erst so richtig zum Leben erweckt, sind Menschen, mit denen ich träumen kann. Es geht nicht ohne sie. Und sie zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Ich bin jahrelang durchs Leben gegangen; allein mit meinen Ideen, die ich für Quatsch hielt, weil ich niemanden fand, der sie mit mir zum Leben erwecken wollte.

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Und noch heute ist die Liste der Menschen kurz, mit denen ich träumen kann, mit denen ich mich kreativ austauschen kann, mit denen ich “rumspinnen” kann.  Und Spinnen ist so wichtig.

Allzu oft bin ich selbst die einzige, die an eine meiner Ideen glaubt. Allzu oft bin ich selbst die einzige, die ein Fundament unter einem meiner Luftschlösser erkennt. Allzu oft stoße ich auf Meinungen und Aussagen, die mich entmutigen sollen; die mir weismachen wollen, meine Ideen seien nichts wert.

 

Das hier ist ein kleiner Aufruf zur Rebellion.

 

Ein kleiner Aufruf für die eigenen Ideen, für all die Spinnereien und Hirngespinste in unseren Köpfen, für die Träume, die uns nachts wachhalten, die unsere Herzen höher schlagen lassen und von denen wir niemandem erzählen, aus Angst davor, für weltentrückte Spinner gehalten zu werden.

 

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Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wer immer unsere Wünsche und Pläne anstatt mit einem beherzten “Ja, verdammt!” nur mit einem abschätzigen Blick kommentiert, ist eine Schranke, unter der wir Limbo tanzen müssen – um dann beschwingt auf unserem Weg weiterzuziehen.

Und wer immer uns da belächelt, träumt insgeheim vielleicht genau denselben Traum und wünscht sich die Zuversicht, an ihn zu glauben und den Mut, ihn umzusetzen. Davon müssen wir uns frei machen. Und lernen, uns von den Meinungen anderer nicht unterkriegen zu lassen.

Nur weil niemand sonst sehen kann, was wir mit unseren Gedanken in den Himmel malen, heißt das noch lange nicht, dass das Gemalte kein Kunstwerk ist.

 

Manchmal müssen wir selbst unser bester Freund sein.

 

Und an uns glauben, auch wenn es sonst keiner tut.

Egal, ob wir kreativ arbeiten oder nicht: es ist unendlich wichtig, zu suchen, zu verfolgen und schließlich festzuhalten, was uns lebendig macht, was unsere Herzen höher schlagen lässt und uns begeistert.

Nur so entflammt ein Feuer in unserer Brust; anfangs klein, aber mit jedem neuen Schritt ein bisschen größer, bis es irgendwann lichterloh brennt.

Nur wenn wir suchen, was uns lebendig macht, werden wir auch an Orte gelangen, an denen wir Menschen treffen, die auf genau dieselbe Art und Weise spinnen wie wir selbst.

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Es ist das größte Abenteuer, die Reise zu uns selbst.

 

Und manchmal bedeutet es, dass wir Menschen zurücklassen müssen; dass uns alte Freunde nicht mehr begleiten können; dass wir ein Stück des Weges auch mal alleine gehen werden. Aber das ist kein Grund, den nächsten Schritt auf diesem Weg nicht zu wagen. Denn was auf der anderen Seite wartet, ist es Wert. Insgeheim wissen wir’s. Und wer in unser Leben gehört, wird immer einen Weg zu uns zurück finden. Und wir werden immer eine Tür für sie offen halten.

 

Aber bis dahin müssen wir weitergehen; müssen wir suchen, verfolgen und festhalten, was uns lebendig macht.

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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Oliver sagt:

    Dear Gesa, walking through the beautiful town of Puerto de Mogán on Gran Canary your message reached me. I stopped in this alley, which is beautifully decorated with flowers and workers talk their Spanish while cleaning up and doing their gardening. After reading your words my heart feels deeply connected with your thoughts and your perception. You are more than right, only those who dare following their dreams, only those who do something to make them happen, are those who really live up to their standards. Without this, we feel restless and incomplete, are easily irritable and neither good company for others nor for ourselves. Believe me though, you are not alone. Sending you warm regards!
    Oliver

    ps: if you are interested in good company, let me know, you’ve got my email.

  2. Nina sagt:

    “Nur weil niemand sonst sehen kann, was wir mit unseren Gedanken in den Himmeln malen, heißt das noch lange nicht, dass das Gemalte kein Kunstwerk ist.”

    !!!!

    Das. Das und Das!

  3. Micha sagt:

    Dieser Artikel ist eine schöne Art sich an diese Wahrheiten zu erinnern. :)

    Meine Erfahrung zeigt: Je öfter ich authentisch bin und meine Gedanken und Träume ausspreche, desto eher trennt sich die Spreu vom Weizen. Desto eher begegne ich auch ähnlich tickenden Menschen, weil sie erst durch meine Authentizität auf mich aufmerksam geworden sind.

    Wir sind überall versteckt :D

  4. Miri sagt:

    Danke für diese Zeilen. Ein toller Text und so wahr.
    Ich bewunder dich für das, was du tust, mach weiter so und gib all deinen Luftschlössern Fundamente! :)

  5. Mischa sagt:

    Ein wunderschöner Artikel! Vielen Dank dafür.

    Das alles sind Gedanken, die ich mir seit meinem eigenen Aufbruch auch immer wieder mache. Und zu sehr ähnlichen Antworten wie du komme.

    Ich habe das große Glück, dass ich in den letzten Monaten so wunderbare Menschen kennengelernt habe, die auch aus dem Spinnen gar nicht rauskommen und vor Ideen explodieren. Das treibt mich an und baut mich auf. Genauso wie dieser Text.

    Liebe Grüße

    Mischa

  6. Anne sagt:

    Ein wunderschöner Text. Sehr ermutigend, sich nicht unterkriegen zu lassen..

  7. Anett sagt:

    JA, VERDAMMT! Du sprichst mir aus dem Herzen und bringst das aufs virtuelle Papier, was tief in mir gebrodelt hat. Danke dafür!

    Anett, Luftschlossarchitektin.

    PS Und danke an Mischa fürs Finden und Teilen!!!

  8. Joe B. Argain sagt:

    So well written, dear!
    Reminds me of the beginning of a story unfortunately yet untold…

  9. Gesa Neitzel sagt:

    Nee, echt jetzt: Danke. Oftmals schreibe ich mir hier irgendetwas von der Seele, von dem ich nicht weiß, ob es überhaupt auch nur einem anderen Menschen da draußen auch so geht.

    Tut gut. Zu wissen, dass wir nicht alleine sind.

  10. Sarah sagt:

    “Manchmal müssen wir selbst unser bester Freund sein.”

    Das sind wieder einmal so wunderbar ehrliche Einsichten! Ich wieder einmal begeistert wie du es schaffst deinen Lesern deine innersten Gedanken so schön erzählt nah zu bringen. Alles was du in diesem Beitrag niedergeschrieben hast würde ich ohne zu zögern unterschreiben. Weiter so! Deine Artikel bereichern jedes mal ein Stückchen meinen Tag, wenn ich mit dem Lesen fertig bin. :-)

    Liebe Grüße

    Sarah

  11. Was macht mich lebendig? Was macht mich begierig? Wofür brennt mein wildes Herz?
    Diese Fragen sind unglaublich wichtig und sie ehrlich zu beantworten ist ein Schritt in die Richtung einer stimulierenden Umgebung. Und das ist in der Tat super wichtig. Menschen um sich zu haben die fantastische Träume zusammen mit dir weiterspinnen und dich ermutigen, diese auch umzusetzen, ist wahres Glück.

  12. Nina sagt:

    Wenn Du auch nur ahnen könntest, wie richtig der Zeitpunkt dieser Deiner Worte gerade für mich sind! Wie sehr ich mir selbst wünsche, ganz besonders im kommenden Jahr mein eigener bester Freund zu sein und mein Leben in die richtige Richtung zu lenken, an die so gut wie keiner sonst zu glauben scheint…
    Es gibt Kraft zu sehen, dass es andere Menschen tun und es zu funktionieren scheint. Danke dafür!
    Alles Liebe für Dich, Nina

  13. Lilli sagt:

    Liebe Gesa

    Schon seit einiger Zeit verfolge ich deine Artikel und wieder einmal habe ich einen gefunden, der mir voll und ganz aus dem Herzen spricht. Ich danke Dir dafür. Du inspirierst mich und wieder einmal hast Du mir genau zur richtigen Zeit Aufschwung gegeben.
    Auch wenn ich mich mit meiner Art zu leben manchmal sehr alleine fühle, so sehe ich doch, dass ich nicht alleine bin, wenn ich Deine Gedanken lese.
    “Nur weil niemand sonst sehen kann, was wir mit unseren Gedanken in den Himmeln malen, heißt das noch lange nicht, dass das Gemalte kein Kunstwerk ist.”
    Das würde ich am liebsten auch auf meiner Homepage Quoten, wenn es Dir recht ist.
    Dit weiterhin alles Liebe und ich freue mich schon auf einen nächsten Beitrag.
    Lilli

  14. Sylvia sagt:

    Das ist ein ganz wunderschöner Artikel, ich bin tief berührt und freue mich, mehr von dir zu lesen – herzlichst, Sylvia

  15. Mad sagt:

    Oh… Gesa, so ein zauberhafter Beitrag, wieder einmal! Du beschreibst das, wofür mir die Worte fehlen und das noch so schön, dass ich voll motiviert bin weiterzumachen. Auch wenn ich, wieder Zuhause angekommen, leider immer noch auf kein Verständnis hoffen kann, für mich und meine Vorstellung vom Leben :/

    Liebe Grüße,
    Mad

    • Gesa Neitzel sagt:

      Lieber Mad, vielen Dank für deine Nachricht. Ich glaube, wir alle kennen das: wieder zu Hause angekommen, stellen wir schnell fest, dass sich nichts und niemand verändert hat – nur wir selbst haben gefühlt eine 180-Wende hingelegt. Dass damit niemand aus unserem “alten Leben” etwas anfangen kann, ist wohl verständlich. Die gute Nachricht: Viele von ihnen werden auf dich zukommen, sobald sie merken, dass deine Träume nicht nur Spinnereien sind, sondern ernst zu nehmende Ziele. Und auf dem Weg dorthin werden dir mehr und mehr Menschen begegnen, die deine Ansichten teilen.

      Es liegt bei dir. Mach was draus :-)

  16. Rosemarie Krezdorn sagt:

    Du hast so recht…..
    Ich habe so lange gebraucht um anzuerkennen daß das was ich spüre richtig ist und leider waren und sind keine Unterstützer am Wegrand, nur Menschen die mich gerne wieder in den alten Schubladen sehen möchten.
    Das hat mich lange entmutigt und nur langsam traue ich mich …..erst mal in Gedanken…..meine Idee umzusetzen.
    Danke für Deine Impulse.

    • Gesa Neitzel sagt:

      Ich glaube, viele Menschen verbringen ihr Lebtag damit, sich nicht zu trauen, weil sie von Menschen umgeben sind, die sie nicht unterstützen. Das mag von “den anderen” noch nicht mal eine böse Absicht sein, sondern vielmehr hat ja “jeder sein eigenes Päckchen zu tragen”, wie es so schön heißt.
      Manchmal frage ich mich, von welchem Leben wohl all die anderen Menschen in meinem Umfeld insgeheim träumen und ich wünschte mir, sie würden es mir erzählen. Aber die meisten bleiben still.
      Aber es muss Leute geben, die den Mund aufmachen.

      Darum: Lass uns mal was sagen, Rosemarie. Vielleicht trauen sich die anderen dann auch.

  17. Tom sagt:

    Resonanz – nennt man es, wenn zwei Prozesse in gleicher Frequenz schwingen. Wenn Dein – sich in wohlgewählten Worten manifestierender – Denkprozess über die Angst, an seinen Ideen festzuhalten, meine Synapsen kitzelt und ich mir denke: Damn right, mal wieder den Mund aufmachen!
    Danke für Deine tollen Zeilen. Habe neulich, nach Entdeckung Deines Blogs, selbigen an einem Tag verschlungen…und es heute endlich mal geschafft, den “Mund” aufzumachen ;)
    Gruß, tom.

  18. Ben sagt:

    Hey Gesa,

    voll schön! Ich finde wir sollten mal quer durch Berlin ne Runde spazieren gehen und ne Runde rumspinnen. ;)

    Alles Liebe,

    Ben

  19. Ildiko sagt:

    “Und Spinnen ist so wichtig.” da musste ich direkt an den Song denken, “Spinner” von Revolverheld. Wie du also siehst, bist du absolut nicht die einzige mit diesen Gedanken. Es wurde sogar schon ein Lied darüber geschrieben. ;)

    Du hast absolut recht, es ist wichtig, dass wir selbst daran glauben, dass wir selbst, wenn es nötig ist, eine Weile unseren Weg alleine gehen. Die, die dazu bestimmt sind, diesen Weg mit uns zu gehen, werden auch kommen. Davon bin ich mittlerweile echt überzeugt. Und jeder Mensch im Leben, egal ob auf positive oder negative Weise, hatte seinen Daseinsgrund, und wir müssen dahinter schauen und begreifen, warum. Und das rumspinnen kann auch dafür ganz bestimmt uns gute Hilfe erweisen.

    “Das geht raus an alle Spinner, wir sind die Gewinner, kennen keine Limits, ab heute für immer.” ;)

  20. nika sagt:

    Wundervoll geschrieben ubd so wahr.ich hab sogar Tränen in den augen! Danke das du deine gedanken mit der welt teilst!

  21. Sabrina sagt:

    Ein wundervoller Artikel. Genau das, was ich an diesem Sonntag gesucht habe.

    Danke.

    Sabrina

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