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Wenn du unterwegs bist.

Da waren wir also. Zusammen gepfercht auf engstem Raum, dem neuen Abenteuer entgegen rasend, hinter dem Autofenster die Weiten des australischen Outbacks.

 

Stunden vergingen, aber was machte das schon?

 

Wir waren unterwegs, tagelang, während sich da draußen nichts veränderte, nur roter Sand, verdorrte Pflanzen und blauer Himmel.

Alles hatte ein paar Wochen zuvor begonnen, als eine wohl vertraute Stimme am anderen Ende der rauschenden Telefonleitung erklärte: “Ihr beiden müsst herkommen. Ich habe ein Auto gekauft.” Also kündigten wir unsere Jobs, packten die Taschen, ließen unser winziges Apartment hinter uns und machten uns auf Richtung Süden.

Wir schliefen auf Couchen und auf Matratzen und ich verbrachte meine Tage damit, die Straßen von Ballarat zu erkunden, während die Jungs den alten, rostigen Campervan auf Vordermann zu bringen versuchten, und dann am Abend saßen wir auf der Terrasse, tranken Whiskey Cola bis es eines Tages hieß, sie seien jetzt fertig und wir könnten aufbrechen.


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Der Plan war, die Great Ocean Road entlang zu fahren, danach den Weg von Adelaide nach Port Augusta zu machen und dann ab durch die Mitte von Australien, auf dem Stuart Highway, mit dem Ziel, irgendwann in Cairns zu landen.

 

Ich war ahnungslos, was da vor uns lag.

 

Dass diese Wochen unterwegs mich bis in die tiefsten Tiefen auseinander nehmen und am Ende nur notdürftig wieder zusammensetzen würden. Erinnerungen an tolle Momente, großartige Menschen, überwältigendes Gefühl. An das Ausschau halten nach Aliens in Wycliff Well. An den Typen mit der demolierten Windschutzscheibe und dem eingedrückten Dach, der auf dem Weg zu den Kamelrennen in Alice Springs ein freilaufendes Kamel im Outback überfahren hatte.

Bilder im Kopf davon, wie die Sonne hinter dem Uluru untergeht. Und wie wir ratlos im Kreise stehen als der alte Van ein paar Stunden hinter Tennant Creek vorübergehend den Geist aufgibt und wir im Outback stranden.

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Es gibt nur wenige Arten zu Reisen, die ähnlich intensiv sind wie ein Roadtrip.

 

Eine Gruppe Menschen (in unserem Falle vier davon) für Stunden auf engstem Raum zusammen zu bringen, das Teilen der privatesten Momente, die dazu gehörigen Höhen und Tiefen, wird schnell zu einer interessanten Erfahrung. Auf der einen Seite wächst man enger zusammen als jemals denkbar, doch diese Nähe kann auch zu niemals geahnten Spannungen führen.

Und so bewegt man sich gemeinsam durch die Hoch- und die Tiefpunkte, während intensiver Gespräche unter dem Sternenhimmel und unter Tränen geführter Dispute um die letzte Scheibe Toast, und all diese Situationen sind dicht aneinander gekettet durch die Stunden unterwegs, verbracht mit Nachdenken und Lesen und dem Mitsingen zum Radio.

 

Du bist jung und du verfällst dem Abenteuer.

 

Den Möglichkeiten. Du bist leicht zu beeindrucken und selten auf der Hut. Du bist verliebt. In die Intensität der Momente. Ineinander. Du verwechselst dieses mit jenem bis alles ineinander verwoben ist und da stehst du also, mit diesem wunderbaren und zerbrechlichen Chaos in deinen Händen, aber du bist zu jung, um zu wissen, was du damit anstellen könntest.

 

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“Wir haben Schluss gemacht”, höre ich meine eigene Stimme, schluchzend und brechend, leicht versetzt durch den Hörer des Telefons. Es gibt diesen Moment der Stille am anderen Ende der Leitung, ein Schweigen, das die 24 Flugstunden zwischen diesem und jenem Ort mit voller Wucht ins Bewusstsein bringt. Meine Freundin holt tief Luft.

 

“Du weißt, dass alles gut werden wird?”

 

fragt sie, besorgt und irgendwie hilflos. Aber ich sitze da, mitten in der Nacht, zusammengerollt auf einem Plastikstuhl in der vernachlässigten Gartenecke eines ranzigen Hostels irgendwo im Nirgendwo und ich weiß nicht, ob ich überhaupt will, dass das jemals wieder in Ordnung kommt, denn wenn der Schmerz langsam abflaut, dann heißt das, dass es auch die Erinnerungen tun werden.

Irgendwann.

 

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Sie sind mit meiner Gitarre weggefahren, meiner wundervollen Akustikgitarre, die ich gekauft habe in einem kleinen Musikladen in Tamworth, stammele ich in den Hörer. In diesen Tagen fühle ich mehr Schmerz, wenn ich an die Gitarre zurück denke als an den Jungen, in den ich mich verliebt habe, knietief in Kuhmist stehend, und der mir das Herz brach, acht Monate später, in einem herunter gerockten Campervan.

Aber das ist es wohl, was die Zeit mit einem macht, sie stillt den Schmerz bis er sich einrichtet, irgendwo unter dem Herzen und dann dort sitzt, die meiste Zeit still, und manchmal kitzelt, manchmal zwickt.

Und das ist auch der Grund, warum du dich von Zeit zu Zeit in ein Auto setzen und losfahren musst, weil nichts bleibt wie es ist, wenn die Reise selbst schon Ziel genug ist. Jack Kerouac wusste, “there is nowhere to go but everywhere”.

 

Worauf wartest du noch?

 

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geschrieben von Gina Käding

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Reisen – das tut Gina (24) am liebsten mit vier Rädern auf scheinbar nie endenden Straßen und flatternden Haaren im Wind. Von ihren Abenteuern erzählt sie dann auf ihrem Blog „Of Roots and Roads“. Unterwegs findet ihr sie meist mit dem Kopf in den Wolken und einer Kamera um den Hals – Zuhause in Köln kocht sie euch einen Kaffee mit Sojamilch und erzählt ausführlich von ihren Erlebnissen. Wortreich, bauchgefühlgesteuert, immer suchend. Es gibt da draußen eine Welt zu entdecken! Kommst du mit?

 

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Gesa Neitzel

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden. Hier erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Ron sagt:

    Wirklich toll geschrieben… man spürt das Abenteuer förmlich auf der Haut. Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich das lese.

    Und irgendwie, heimlich still und leise, beschleicht mich das Fernweh. Rucksack auf und los…

    Ferne Welt ich komme. Living on the edge of Life… Now and forever

    Ich Danke dir!

... Ich möchte auch was dazu sagen:

Hierlang für noch mehr Abenteuer!schliessen
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