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Kennst du deine Zahl?

Warum reise ich doch gleich?Also. Es gibt viele Gründe dafür. Ich reise, weil ich mich verändern möchte. Weil ich wachsen möchte. Weil ich mich selbst durch die Augen dieser Welt sehen möchte und diese Welt durch meine Augen. Reisen hat meine Sicht aufs Leben verändert. Aber auch meine Sicht aufs Reisen selbst.

 

Vorbei ist die Eile und der Drang, so viele Orte zu sehen wie möglich.

 

Vorbei der Konkurrenzdruck. Vorbei die Pseudo-Allwissenheit wie “man” nun reisen sollte und wie nicht. Um ehrlich zu sein fand ich es immer verwunderlich, dass jemand Reisen als eine Art Wettrennen betrachtet.

 

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Ich weiß meine Zahl nicht.

…Welche Zahl?

Meine Wie-viele-Länder-habe-ich-gesehen-Zahl.

 

Wenn ich lese über Reisejournalisten/ Abenteurer/ andere Leute, die verrückte Sachen machen, die irgendwie mit Reisen zu tun haben, heißt es oft genug in deren Kurzbio: “In den letzten fünf Jahren reiste XY durch zwanzig verschiedene Länder, lebte in dreien und plant, weitere zwölf in den nächsten sechs Monaten zu besuchen. (Ich übertreibe. Aber ihr wisst, worauf ich hinaus will.)

 

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Ich frage mich auch, inwiefern diese Information etwas über mich aussagt? Ich vermute, die Zahl dient vielleicht als Rechtfertigung? Sie bildet den Grund, auf dem die Reputation eines Reisenden gebaut ist.

 

XY darf sich Reisender nennen, sie/ er war immerhin bereits in soundso vielen Ländern.

 

Und es schreckt die Anfänger ab:

Du meine Güte, wie in aller Welt soll ich jemals ihre/ seine tiefgehende Erfahrung erlangen? Ich lasse es lieber gleich sein, bevor ich es überhaupt versucht habe und werde  Anwalt. Weil das so viel einfacher ist.

Das Gleiche gilt für den Begriff “Autor”. Also, ich liebe ja Schreiben. Es ist die einzige Sache (mal ganz abgesehen vom Reisen), die ich wirklich gern tue. Es ist die einzige Sache, die mir wirklich etwas bedeutet. Dennoch zögerte ich immer, mich selbst tatsächlich Autor zu nennen, denn… nun ja, ich habe noch keine Zahl an Veröffentlichungen.

Oder doch.

Sie ist nur noch nicht sonderlich beeindruckend.

Meine Wie-viele-Länder-habe-ich-gesehen-Zahl ist definitiv höher. So viel weiß ich.

 

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Aber wie viele Länder sind genug?

 

Nach wie vielen Trips darf ich mich selbst Reisende nennen? Und wenn ich nur in einem einzigen Land gewesen bin, dafür aber ne Weile – darf ich mich dann überhaupt Reisende nennen?

JA.

Das ist meine eindeutige Antwort. Und ich bleibe dabei. Ich bin kein Reise-Experte. Es gibt Länder auf dieser Erde, die ich niemals betreten möchte. Es ist nicht mein Ziel, die Welt zu erobern und überall ein paar schnell verschwindene Fußspuren zu hinterlassen. Mein Ziel ist es, zu tun was ich liebe. Und das ist nun mal  Reisen und Schreiben.

Und was ist schon eine Zahl?

Walt Whitmans “Grashalme” gilt als eines der wichtigsten Werke der Reiseliteratur aller Zeiten.

 

Seine Zahl war 1.

 

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Gesa

Hallo! Schön, dass du da bist. Ich bin Gesa aus Berlin und mir gehört der Laden hier. Eigentlich Fernsehredakteurin aber viel lieber unterwegs, erzähle ich von meinen Reisen um die Welt und immer auch ein Stück mehr zu mir selbst.

  1. Marianna sagt:

    Immer diese Bessenheit nach Zahlen – schlimm; und immer dieser Gedanke, dass nur Zahlen Qualifikation für irgendwas rechtfertigen.
    (Ist jetzt leicht übertrieben, oder wohl eher leider auch nicht.)
    Seh ich stimm dir voll zu.
    Ganz toller Artikel.

  2. Gesa sagt:

    Danke, Marianna.
    Fängt wohl schon in der Schule an oder, diese Besessenheit nach Zahlen.
    Ich finde aber, der einzige, der besessen nach Zahlen sein darf, ist wenn überhaupt nur der hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=W9M39CVxLEA

  3. We have exactly the same thought! Couldn’t agree more with you! :)

  4. Hmmm also ich weiß meine ‘Zahl’ und hab sie auch irgendwo auf meinem Blog.. aber gehts mir um Wettbewerb? Fuck no. Ich dachte mir einfach nur dass es die Leute interessiert. und ich finds nix schlimmes. Irgendwann hats mich einfach mal interessiert. Allerdings hat sie lang stagniert, weil ich einfach gern in manche Länder mehrmals reise und nicht von ihnen loskomme. Insofern sagt die Zahl schon nix mehr aus eigentlich. Und schon gar nicht über die Erfahrungen und die ‘Expertise’, natürlich nicht.

  5. Maike sagt:

    Schreiben und Reisen…ich kann dich so verstehen!

    Ich glaube, die Zahl finde ich schon interessant. Aber besonders viel Bedeutung würde ich ihr nicht beimessen.
    Du hast recht, neue Reisende, vor allem vielleicht neue Blogger, kann so eine Zahl einschüchtern.
    Ich selbst habe mich davon ziemlich schnell erholt, denn jeder muss ja in allem sein eignen Maß finden. Und wie du schon erwähntest, sagt so eine Zahl nichts über die Qualität der Reisen aus.

    Im Zweifelsfall gilt immer noch Qualität vor Quantität! :)

  6. Gesa sagt:

    Ist ja interessant wie die Meinungen da auseinandergehen. Ich selbst finde die Zahl wirklich nicht wichtig oder interessant. Aber jedem das Seine, nech?

  7. nadine sagt:

    schöner artikel. ich weiß “meine zahl” auch nicht und sie interessiert mich auch nicht. es kommt doch auf die erlebnisse und erfahrungen an, und die lassen sich nicht quantifizieren, zum glück…

  8. Gesa sagt:

    schön gesagt, nadine. ich stimme dir voll und ganz zu!

  9. Olaf sagt:

    42 (frei nach Douglas Adams)

... Ich möchte auch was dazu sagen:

Hierlang für noch mehr Abenteuer!schliessen
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